Gerechtigkeit

Mit der bedeutenden Gogerichtsurkunde von 1225 erwarb der Bischof von Osnabrück das Recht, das Gogericht (Landgericht) Iburg mit von ihm ernannten Gografen zu besetzen. Von dieser Zeit an spielte Iburg auf dem Gebiet des regionalen Gerichtswesens eine bedeutende Rolle.

Öffentlich im Freien wurden auf dem von sieben Gerichtslinden umsäumten Platz, dem Dingplatz (oder Thinkplatz) über Streitfälle aller Art entschieden, aber auch über Diebstahl, Ketzerei, Mord und Gewaltverbrechen geurteilt. Das letzte Todesurteil wurde 1817 gesprochen. Neben der Todesstrafe verhängte das Gogericht Iburg z.B. körperliche Verstümmelungen, Stockschläge oder Anbinden an den Schandpfahl gegenüber des Dingplatzes.

Im Wigboldprivileg (siehe Station 2) erhielt der gewählte Rat 1359 das Recht, über kleinere Straftaten oder Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Fleckens Iburg zu urteilen. Seit 1657 wurden die Rechte der Bürger aber immer weiter eingeschränkt bis zur Auflösung des Privilegs 1846.

Alle Protokolle über kriminelle Vorgänge, Bußgelder und Verträge wurden in Gerichtsbüchern festgehalten.

1813 entstand aus dem Gogericht das „Amt Iburg“. Mitte des 19. Jh. trennte man Verwaltung und Justiz und gründete das Amtsgericht, das nun seit über 150 Jahren im Schloss Iburg besteht.

Diese gewichtige Geschichte des Rechts repräsentiert das schwere Buch aus Beton am Fuße der größten Gerichtslinde. Das Material, aus dem das Buch besteht, ist ebenfalls geschichtsträchtig und wurde schon vor Christi Geburt im Römischen Reich verwendet. Beton besteht aus Wasser, Gesteinskörnern, Steinkohleasche, Kalk und dem Bindemittel Zement. Zur Herstellung von Zement werden Kalkstein, Ton und Quarzsand zu Mehl gemahlen und auf ca. 1450°C erhitzt. Das Rohstoffmehl verschmilzt dadurch miteinander. Die durch diesen Prozess entstandenen Klumpen werden nach dem Abkühlen zu Zement gemahlen. Schon den Römern gelangen mit dem zement- oder eher betonähnlichen Opus Caementitium architektonische Meisterleistungen wie die Kuppel des Pantheons oder das Kolosseum.

In das Buch aus Beton sind Buchstaben aus gefärbtem Epoxidharz eingelassen, die die Begriffe „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ bilden, die es immer wieder neu in der Gesellschaft auszutarieren gilt. Dieser spröden und sperrigen Aufgabe entspricht die Wirkung des Betons bei Tageslicht, die bei Dunkelheit abgemildert ist. Dann wird sie durch die Licht-Projektion ergänzt. Diese fragt nach der persönlichen Einstellung der Betrachterinnen und Betrachter zu Gerechtigkeit und Freiheit.

Weitere Informationen:
Zur Geschichte des Amtsgerichts Bad Iburg
Zur Ortsgeschichte Bad Iburgs
Zum Hochstift Bad Iburg
Zum Fleckensgericht und Gogericht